Was tut der Berufsverband Allianz deutscher Designer (AGD)? Ein Film gibt Antworten.
Ein Imagefilm als Auftragsdiplomarbeit von Wolfgang Ambos und Patrick Weiser (FH Mainz, Medien-Design).
Wer kennt das nicht? Im Laufe des Studiums als Medien-Designer erarbeitet man sich seine Semesterprojekte meist selbst. Die Vorgaben der einzelnen Kurse bilden hierfür den mal mehr, mal weniger geeigneten Rahmen um eigene Projekt und Vorstellung, Experimente und den berühmten Blick über den Tellerrand umzusetzen. Also das genaue Gegenteil einer Auftragsarbeit.
Die Abwägung der Für und Wider eines freien Projekts im Gegensatz zu einer Auftragsarbeit ist sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig.
Die Möglichkeit als Designer eine Arbeit für den größten deutschen Designverband "Allianz Deutscher Designer" umzusetzen hat nun aber mit Sicherheit seinen eigenen Reiz.
Ziel und Zielgruppen
Der Kontakt zur AGD, welche gerade zu unserer Diplomzeit begann als Marketingmaßnahme Hochschulprojekte zu fördern und anzuregen, kam durch Prof. Harald Pulch zustande. Das Briefing der AGD zur Erstellung eines Imagefilms war sehr komplex. Die klassischen Ziele Bekanntheitssteigerung, Übermittlung der Kernkompetenzen und Gewinnung neuer Mitglieder - ohne Bestehende abzuschrecken - wurden ergänzt durch weitere weiche Faktoren. Die Tonalität sollte professionell aber familiär sein. Als Zielgruppe waren Design-Studierende und selbstständige Designerinnen und Designer aller Fachrichtungen, Personen aus Politik und Wirtschaft sowie potenzielle Auftraggeber angegeben.
Aus dieser heterogenen Zielgruppe filterten wir die Studentenschaft als Hauptzielgruppe heraus, ohne jedoch die anderen Zielgruppen aus den Augen zu lassen, da uns die Steigerung des Bekanntheitsgrad und die Erhöhung der Aufmerksamkeit hier am höchsten erschien (aus eigener Erfahrung).
Das im Briefing vorgestellte Selbstbild der AGD verifizierten wir durch eingehende Recherche. Das Außenbild überprüften wir durch eine an fünf Gestaltungshochschulen durchgeführten interaktiven Umfrage. Wie die AGD selbst waren die in der Umfrage angegebenen Studienfächer stark diversifiziert.
Auffällig war, dass sich die überwiegende Mehrheit der Studierenden vorstellen konnten später selbstständig tätig zu sein, jedoch die Hälfte von der Arbeit eines Berufsverbands keinerlei Vorstellung hatte. 2/3 derjenigen, die es für sinnvoll hielten sich einem Berufsverband anzuschließen war die AGD kein Begriff. Zusätzlich fragten wir nach für die Zielgruppe interessanten Werbeformen. Neben den klassichen Maßnahmen Print und TV (mit überwiegend emotionalen und innovativen Charakter) wurden auffällig viele Below-the-Line Kanäle (Viral, Product Placement, Sponsoring) genannt.
Konzept
Für die Konzeption bedeutete dies zum einen, dass die Ansprache unabhängig von einer Gestaltungsdisziplin erfolgen muss, zum anderen, dass der eigentlichen Information über Leistungen und Aufgaben der AGD das Schaffen von Aufmerksamkeit vorgeschaltet werden muss und letztlich, dass neue Wege gefunden werden müssen, um möglichst viele Interessenten zu erreichen.
Auf dieser Basis entwickelten wir verschiedenste konzeptionelle Ansätze und überprüften diese im weiteren Verlauf. Die ersten Ansätze lassen sich unter Schlagworten wie familiäres Netzwerk, interdisziplinäres Gestalten und sachliche Auseinandersetzung beschreiben. Die Erkenntnisse dieser Ansätze führten uns zu folgenden Leitfragen:
- Gibt es etwas, was alle AGD-Mitglieder gemeinsam haben? Und falls ja, was ist es?
- Welche Motivation steht hinter dem Engagement der AGD?
- Wie kann die Wertschätzung von Berufsverbänden im Allgemeinen und der AGD im Besondern gesteigert werden?
- Wie können alle wichtigen Informationen kommuniziert werden ohne dass es Überladen wirkt?
- Bedeutet Kürzung automatisch Auslassung?
- Wie wird kommuniziert?
Die Beantwortung dieser Leitfragen lieferten den Inhalt eines Sprechertext als Basis für die gesamte Kommunikation, der folgende Kriterien erfüllte:
- einfache aber elegante Ansprache,
- Vermeidung von Zahlen und Fakten,
- schlüssige Argumentation vom Allgemeinen zum Speziellen und
- stimmiger Satzrythmus um Teilaussagen eigenständig zu vermitteln ohne den Gesamtfluss zu stören.
Die Bildebene sollte das Gesprochene unterstützen ohne dabei redundant zu sein und durch ihre visuelle Eigenständigkeit zu einem hohen Wiedererkennungswert führen. Die Überlegungen führten schnell in eine reduzierte metaphorische Stilistik, um das Entschlüsseln der Information schnell und einfach zu halten.
Die Auswahl der einzelnen Metaphern unterlag verschiedenster Kriterien und erforderte viel Zeit. Jede Metapher wurde sorgsam nach den oben genannten Kriterien ausgewählt, überprüft und mit dem Auftraggeber abgesprochen.
Bildsprache und -konzept
Als visuellen Schwerpunkt setzten wir die Metaphern bildbestimmend ein. Ihre Symbolfunktion wurde durch eine reduzierte Form verstärkt, die dem Bild etwas abstraktes verleiht und ihre assoziative Wirkung unterstreicht.
Diese primäre Bildebene ergänzten wir in einzelnen Fällen um eine sekundäre Bildebene, die den passenden Kontext für die Metapher bildet und die Entschlüsselung durch den Betrachter vereinfacht. Zumeist wurde ein räumlicher Bezug geschaffen, um Dimension und Tiefe abzubilden.
Die in der zweiten Hälfte des Films vorkommenden Komparsen repräsentieren den zwischenmenschlichen Aspekt des Berufsumfelds und stellen eine handlungsbasierte Form der Metaphern dar.
Dem Anspruch folgend die Metaphern in einem Gesamtfluss zu integrieren wurde darauf Wert gelegt flüssige Übergänge zu erstellen, die nahezu vollständig ohne harte Schnitte auskommen.
Besondere Ansprache der Zielgruppe Studierende
Um die Zielgruppe der Studierenden jedoch genau dort abzuholen, wo sie sich überwiegend aufhalten, entwickelten wir für unser Diplom weitere Below-the-line Maßnahmen. Ausgehend von der Verschlüsselungstechnik Skytale entwarfen wir eine Hochschulaktion, die auf eine Landingpage verweist. Die Skytale besteht aus einem diagonal um einen Holzstab gewickeltem Band auf dem die zu transportierende Nachricht versetzt geschrieben ist. Nur der Empfänger der Nachricht, der um einen Stab desselben Durchmessers verfügt kann die Nachricht lesen.
In unserem Fall wurde das Band direkt am Stab befestigt. Eine auf dem Stab aufgedruckter Aufforderung soll zur Interaktion anregen. Wird das Band um den Stab gewickelt, wird die auf dem Band aufgedruckte sprechende Adresse der Landingpage lesbar.
Zu diesem Zeitpunkt muss dem Nutzer nicht wissen, wer hinter der Aktion steht. Weiter flankierende Maßnahmen waren Aufkleber für Designgegenstände aus dem alltäglichen Leben, die heute kaum noch als Designleistung wahrgenommen werden und für den speziellen Einsatz auf Messen eine Plakatserie.
Zusammenarbeit mit Auftraggeber
Die Auseinandersetzung mit den Ansprechpartnern der AGD war zum Einen vielschichtig, kreativ und konstruktiv, zum Anderen hatte die AGD wie natürlich jeder Auftraggeber ihre eigenen Vorstellungen. Insgesamt wurde uns jedoch sehr viel Freiraum eingeräumt. Die inhaltliche und gestalterische Konzeption und Umsetzung war weitestgehend frei.
Zum Film
Der Imagefilm wird derzeit von der AGD auf ihrer Website www.agd.de (Anmerk. der Redakttion: Startseite, rechte Spalte ziemlich weit unten) als auch zu Präsentationszwecken auf Messen und weiteren Veranstaltungen eingesetzt.
Zu den Personen
Wolfgang Ambos
Wolfgang Ambos schloss vor dem Studium eine private Schauspielausbildung nach Stanislawski ab. An der FH Mainz studierte er Medien-Design mit den Kerninhalten Storytelling, Schnitt und Animation. Er arbeitet heute als freiberuflicher Medien-Designer mit den Schwerpunkten Schnitt, Kamera und Motiondesign.
Patrick Weiser
Patrick Weiser hat vor dem Studium eine Ausbildung zum Mediengestalter (Digital und Print) abgeschlossen. An der FH Mainz beschäftigte er sich schwerpunktmäßig mit Storytelling, Animation und Filmgestaltung. Er arbeitet heute als Creative Director in einer Agentur für Interaktive Medien.
Kontakt:
Für Fragen können Sie sich direkt an Wolfgang Ambos wenden oder Sie hinterlassen hier einen Kommentar/Anregung.
info(at)shizoi.de
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