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Im Gespräch mit Eberhard Marx
Mein Name ist Eberhard Marx, geboren 1951 in Dresden. Seit 24 im Geschäft als diplomierter Produkt- und Grafikdesigner. Bis 2002 im Angestelltenverhältnis in leitenden Positionen. Seit dem als Selbständiger unterwegs. 2005 aus familiären Gründen von der Elbe an den Rhein gezogen. Zuerst nach Waldorf, ein Jahr später nach Sinzig/Franken. Seit 2008 habe ich mein Büro in Remagen.
Als echter "Allrounder" tanze ich auf vielen "Hochzeiten". Ich habe mich in allen grafischen Genres mit mehr oder weniger großem Erfolg versucht. Meine Leidenschaft gehört dem Produktdesign, in dem ich aber mangels Nachfrage kaum noch tätig bin. Zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen sind ein Beleg für dies Leidenschaft. Branchenvorlieben gibt es bei mir nicht. Formale Gestaltungskriterien wirken überall gleich. In die Technologien kann man sich einarbeiten.
Wie lange sind Sie schon gestalterisch tätig?
Gestalterisch tätig bin ich seit meinem Fachschulabschluß 1986 in Heiligendamm. Zunächst als Leiter Erzeugnisentwicklung beim VEB SOLIDOR Dresden. Danach 13 Jahre u.a. als Miteigentümer bei der Designprojekt GmbH Dresden.
Wie kamen Sie zum Design?
Nach langjähriger Arbeit im Schiffbau wollte ich mich beruflich verändern und meine kreativen Fähigkeiten nutzen. Die Fachschule für angewandte Kunst Heiligendamm war ganz in der Nähe, was lag also näher...?
Ist es Beruf oder Berufung für Sie?
Es ist mein Beruf und zugleich Berufung für mich. Wie vielen ist es schon gegönnt, sein Hobby zum Beruf zu machen?
Was motiviert Sie im Job?
Jeden Tag neue Herausforderungen. Das neue Thema, das neue Programm, neue Auftraggeber... und nicht zuletzt das tolle Gefühl wieder etwas zur Zufriedenheit seiner Auftraggeber geschaffen zu haben.
Wie ist Ihre gestalterische Haltung? Gibt es ein Motto/Philosophie …
Mein Credo ist von R. L. Sullivan: „form follows function“ und ganz bestimmt: "weniger ist mehr"!
Ist Design Ihrem Verständnis nach eher Kunst, Kultur oder Dienstleistung?
Ich wurde einmal von einem Jounalisten gefragt ob mir ein kurzer Satz zu meinem Design einfallen würde. Nach kurzem aber heftigen Grübeln viel mir ein: "Design ist die Brücke zwischen Kopf und Bauch". Es ist sowohl Kunst, wichtiger Bestandteil unserer Kultur und ganz unspektakulär: Dienstleistung!
Wo würden Sie Design ansiedeln: im Wirtschafts- oder im Kulturteil einer Zeitung?
Design würde ich erst mal in die Kulturschublade stecken. Design ist leider nicht immer wirtschaftlich ...
Woher kommt das Vorurteil Design sei teuer und nicht nötig?
Dieses Vorurteil kommt von den unsäglichen Berichten über "Superdesigner" die im offenen 600er SL über toscanische Landstraßen brettern.
Auch ein Herr Stark ist nur so gut wie seine Aufträge, von Lutz Collani ganz zu schweigen. Die dominieren aber leider den "Designteil" der Presseerzeugnisse,
in dem kleine Mittelständler ihr Vorurteile bestätigt bekommen. Design wird aber vor allem an unbenutzbaren Möbelstücken und Mode festgemacht, die den Maschinenbauer mit Recht fragen lassen, wozu er das wohl brauchen sollte. Leider!!!!
Welche Vorurteil in Bezug auf DesignerInnen begegnet Ihnen immer wieder/am häufigsten?
... das wir teuer sind und unnötige Kunststückchen verkaufen wollen ...
Wie reagieren Sie darauf?
Damit, dass ich meinen Kunden erkläre, worin das "Geheimnis" des Design im eigentlichen besteht. In der Kunst, dem Menschen ein Produkt in die Hand zu geben in das er sich verlieben kann, dass ihm über viele Jahre ein unauffälliger treuer Begleiter sein kann und das ihn in seinen Funktionen sanft führt. Egal ob Toaster oder A 380.
Was wünschen Sie sich von Ihren Kunden?
Das sie sich zurücklehnen und in dem Vertrauen gut schlafen können, Ihr Problem einem kompetenten Fachmann in die Hand gegeben zu haben. Das sie sich überraschen lassen und offen für neue Lösungen sind. Und wenn sie eine gute Arbeit abgeliefert bekommen zeitnahe die Rechnungen bezahlen.
Was machen Sie am liebsten?
Am liebsten male ich.
Was würden Sie am liebsten als nächstes tun?
Urlaub mit meiner Freundin in einer landschaftlich reizvollen Gegend.
Gibt es Aufträge, die Sie ablehnen? Wenn ja, warum ...
Es gibt Aufträge die ich ablehnen musste und weiterhin ablehnen werde. Das ist so pauschal nicht zu beantworten. Der Auftrag muss sich mit meinem Gewissen und mit meinen Honorarvorderungen vereinbaren können.
Was mögen Sie an Ihrer Tätigkeit nicht? Was nervt …
Es nervt unsäglich, wenn sich der Arbeitgeber als "Hilfsdesigner" entpuppt. Es nervt, wenn im Programmupgrade die wichtigsten Funktionen "neu erfunden" worden sind. Wenn die Preise dafür auch noch in den Himmel streben.
Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Von hervorragenden Leistungen anderer Kollegen, von schönem Wetter, von anregenden Gesprächen mit Freundin und Freunden... auch guter Wein macht mich müde.
Wenn nichts mehr geht und Sie blockiert sind - was machen Sie dann?
Einen guten Film ansehen, lesen oder einfach spazieren gehen.
Bitte nennen Sie uns einen aktuellen Gestaltungs-Flop (ein Produkt, CD, Maßnahme …) – etwas, was Ihnen aufgefallen ist.
Der Phaethon von VW, unsere derzeitige Regierung ...
Bitte nennen Sie uns entsprechend einen aktuellen Gestaltungs-Knaller – etwas, was Sie besonders gut finden …
Da fällt mir auf der Stelle nur alles ein, was in den letzten Jahren von Apple kommt. Das ist echtes "Leitwolfdesign" dem alle mit heraushängender Zunge immer nur hinterherhecheln können.
Nennen Sie eine für Sie aktuell hochinteressante Website
Wirklich Maßstäbe setzende Webseiten sind mir in letzter Zeit nicht untergekommen. Ich bin stolz auf meine, die ich mir ohne einen Funken Ahnung von html und css Programmierung selbst gebastelt habe. Leider ist die Gestaltungspalette in dem verwendeten Programm noch sehr eingeschränkt. Das kann nur besser werden...
Welche Website ist derzeit Ihre Browserstartseite?
Kurz und unprosaisch, t-online.
Nennen Sie ein gutes Designbuch/Fachveranstaltung
Cinema 4D "Grundlagen und Workshops für Profis" von Arndt v. Koenigsmark. Das arbeite ich gerade durch... Fachveranstaltungen meide ich wie der Teufel das Weihwasser. Solchen kollektiven Selbstbeweinungen habe ich genug beigewohnt.
Wie sieht Ihr Schreibtisch aus?
Ziemlich chaotisch, da ich drei oder vier Sachen gleichzeitig bearbeite.
Was ist Ihre Lieblingsschrift?
Ich mag Frutiger und Lithos Pro. Am meisten verwende ich aber Helvetica.
Die für Sie schönste Stadt?
Die für mich schönste Stadt ist ... hm schwierig. Vielleicht Santa Fe. Daran habe ich schöne Erinnerungen. Sehr beschaulich, übersichtlich, europäisch mit indianischen Touch usw.
Können Sie ein beispielhaftes CI/CD eines Unternehmens nennen?
Ein beispielhaftes CI war für mich das von Daimler Benz Industries. Es gibt viele gute und sehr gute, ich kann keins besonders hervorheben.
Warum sind Sie in RLP ansässig?
Ich bin in RLP weil mich meine Frau mitgeschleppt hat. Sie wurde ins "Stammhaus" Ihrer Bundesbehörde nach Bonn beordert und ich bin freiwillig mitgekommen , habe es aber nur bis an die Grenze nach Remagen geschafft.
Gibt es Besonderheiten für die Region in der Sie tätig sind?
Es gibt eine Menge Besonderheiten hier in der Region, die ich ungemein spannend und interessant finde. Und nicht zuletzt der Ahrwein ...
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