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Ideenfabrik Otto Normalverbraucher – Kreativität nach dem Motto Web 2.0?

Immer öfters sind Websites zu entdecken, die getreu dem Motto von Web 2.0 – interaktiv und kollaborativ – den Customer als Ideenfabrik nutzen

Ideenentwurf Papier. Quelle: Johanna Metzner.

Es stellt sich die Frage, ob sich die Gesellschaft zu einem Do-It-Yourself-Verein entwickelt und somit der Verzicht auf ausgebildete Fachleute immer größer wird.
Nicht nur eigens produzierte Basteleien werden auf organisierte Weise zu Geld gemacht, sondern auch Unternehmen nutzen die Motivation von Usern und binden deren Ideen in den Kreativprozess mit ein. Es handelt sich dabei nicht nur um Fragen des Designs, durchaus ist auch allgemeines Ideen-Brainstorming gefragt.

Innovation oder Fluch?

Manch einer wird vielleicht behaupten, dass solche Aktionen Innovationen ankurbeln, da sich der Durchschnittstyp mit einer gewissen Leichtigkeit und Unvoreingenommenheit an Fragen der Kreativität nähert.

Ein anderer ist der Meinung, dass solche Phänomene den Tod für den Fachmann/ die Fachfrau bedeuten. Ideenfindung sollte man lieber Profis überlassen, die etwas von ihrem Handwerk verstehen. Auch die Problemstellungen wie „Ideenklau“ durch eine hohe Zugänglichkeit wird an dieser Stelle kritisiert.

Der Markt regiert und wird durch den Verbraucher reguliert. Diese Devise zählt auch im Netz. Das, was gefragt ist, verkauft sich gut. Doch an welcher Position steht die Qualität, wenn jeder alles macht?

Es kommen also Fragen auf, ob diese Erscheinung nur ein Trend ist, den man nicht beachten sollte, da er sowieso wieder abflachen wird oder handelt es sich vielleicht doch um eine zukunftsweisende und Ernst zu nehmende Entwicklung.

Welche Chancen und Risiken die Ideenfabrik Otto Normalverbraucher eröffnet, werden im Folgenden vier  Beispiele von Projekten und Websites vorgestellt.

Tchibo Ideas

Die Grundidee von Tchibo Ideas liegt darin, dass Alltagsprobleme und ihre Lösungsansätze von Usern geliefert und veröffentlicht werden. Bewertung von Aufgaben und Lösungen geschehen durch „hot or not“ und werden von Nutzern als Monatssieger oder von einer Tchibo-Jury zum Jahressieger prämiert und mit Geldpreisen belohnt.

So schreibt Nutzerin „estrella“, sie wünsche sich einen Getränkehalter, der in jedes Auto passe, da sie auch beim Fahren nicht auf ihren Frappuccino verzichten wolle. Als Antwort kommt die Lösungsidee von „Lukasleon“, der ähnliche Probleme hat und sich die genormte Buchse von Zigarettenanzünder zu Nutzen macht.

Und daneben kann der User auch noch im Forum bloggen, Favoriten merken, Einträge weiter empfehlen, andere Mitglieder studieren, im „ideasMAGAZIN“ stöbern ….

Die Gewinnerideen werden bezüglich Aufwand, sowie Technik geprüft. Ist eine realisierbare Idee zu finden, wird diese durch Tchibo produziert und vermarktet.

Auffällig ist, dass sich in den Reihen der Monatssieger auch häufig DesignerInnen tümmeln. Zudem sind auch öfters Produkte zu sehen, die bereits schon reell existieren. Handelt es sich dabei dann doch nur um eine andere Form der Vermarktung von Produkten? Viele Problemstellungen bleiben unbeantwortet und die vorgestellten Ideenvorchläge sind nicht spezifisch auf eine Problematik ausgerichtet, sondern werden einfach ohne formulierte Problemstellung online gestellt.

Auch wird von Tchibo bezüglich der Nutzungsrechte nicht offen kommuniziert, die am Ende dem Ideenproduzent übrig bleiben.

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jovoto

Das Prinzip von jovoto ist eine Art digitaler Pitch. Selbst bezeichnet es sich als ein „Social Network für Designer, Werbetexter, Illustratoren und kreative Köpfe“. Die Seite wirbt mit Fairness, spannenden Aufgaben und attraktiver Vergütung. Ideengeber haben die Möglichkeit, bei einem Ideenwettbewerbe teilzunehmen. Als Mitglied hat der User Zugang zu Briefings von sogenannten Ideensuchenden, dazu zählen auch Unternehmen.

Für jeden Wettbewerb wird ein Preisgeld vergeben, welches allein durch das Voting der Community gesteuert wird. Will ein Kunde eine Idee nutzen, so kann er diese zu einem vorab definierten Preis vom Ideengeber erwerben. Besonders   ist das Statement von jovoto zu beachten, welches besagt, dass die Ideengeber die Rechte an ihrer Arbeit behalten.

„Ein Wettbewerb ermöglicht Ihnen den Zugang zu einem riesigen Kreativpotenzial […] frische Ideen und neue Blickwinkel.“, so der Lockruf für Unternehmen, die ihre Briefingaufgabe einreichen wollen.

Zu den vorgestellten Ausschreibungen zählen beispielsweise das Kampagnen-Konzept 2010 für s.Oliver, ein Marketingkonzept für die Versicherung Hamburg-Mannheimer und Werbeideen für Greenpeace. Die Ergebnisse der abgeschlossenen Contests kann der registrierte Nutzer zu Gesicht bekommen

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atizo

atizo ist vom Grundprinzip ähnlich gestaltet wie jovoto, enthält jedoch eine Erweiterung und ist in zwei Abschnitte unterteilt.

In einer ersten Phase (Atizo Ideas) werden mit einem möglichst großen Brainstorming Ideen entwickelt. Dies sieht im Detail dann so aus, dass Unternehmen eine Fragestellung formulieren und eine Prämie festlegen. Innovatoren (so heißen die Benutzer) sammeln in einem offenen Ideengenerierungsprozess möglichst viele Ideen. Die Unternehmen wählen die besten Ideen aus und verteilen die Prämie.

In einer zweiten Phase (Atizo Concepts) werden die ausgewählten Ideen von einem oder mehreren Teams in einer geschützten Umgebung zu Konzepten weiterentwickelt. Dies schlüsselt sich folgendermaßen auf: Die Unternehmen verfassen ein Briefing und stellen Teams zusammen. Die Innovatoren entwickeln in einem kollaborativen, geschlossenen Prozess in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Konzepte. Anschließend bewerten die Unternehmen die Konzepte und prämieren projektspezifisch die Innovatoren.

Atizo schreibt sich dabei auf die Fahne, dass dank ihrer Unterstützung auch nach der Fertigstellung der Konzepte ein hoher Anteil an Konzepten in den Unternehmen umgesetzt wird.

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bonspin

„Brainstorming online für Bonzen und Spinner“ heißt das Motto dieser Website und bietet eine Plattform für Probleme und Lösungen. Das besondere an diesem Portal ist die Art der Bezahlung.

Ideensuchenden kommunizieren ihr Projekt mit ihrer Fragestellung an und setzen dafür Ideenpunkte aus. Ein Ideenpunkt kostet 1 Euro. Die Ideengeber können innerhalb der festgelegten Projektlaufzeit Ideen dazu abgeben. Nach Ablauf der Projektlaufzeit verteilt der Ideensuchende die ausgesetzten Ideenpunkte auf die für Ihn besten Ideen.

Die Ideengeber können sich mit den Ideenpunkten etwas im Prämienshop kaufen oder wenn sie über 100 Ideenpunkte gesammelt haben, sich die Ideenpunkte mit 60 Cent pro Ideenpunkt auszahlen lassen.

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Der Markt wird es zeigen ...

Die verschiedenen dargestellten Ansätze zeigen, dass ganz verschiedene Typen von kollaborativen Konzepten existieren. Es handelt sich dabei um eine durchaus interessante Entwicklung, die man auf jeden Fall kritisch beobachten sollte.

Auch für die Erflgsaussichten werden Resonanz und Beteiligung der Internet-User sowie die Zeit zeigen, wie dieses Phänomen weiterhin angenommen und überleben wird.

Dieser Artikel wurde am 22.07.09 von Johanna Metzner geschrieben.

Kommentare 1 - 1 (von 1)
 

Dienel-Metzner schrieb am Thursday, 10.09.09:

Ein gut verständlicher, durchdachter und zum Nachdenken anregender Artikel, gut auch das passende Foto..

 
 

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