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Luminale 2010 - Biennale der Lichtkultur

Stars der Lichtkunstszene und Studenten, fünf Städte und unzählige Lichtquellen. Was steckt hinter der Idee, alle zwei Jahre das Licht anzuknipsen?

Plakatmotiv Luminale 2010. Quelle: Projektbüro Luminale. Westermann Kommunikation.

Seit 2002 findet im Rhein-Main Gebiet alle zwei Jahre die Luminale statt. Auch dieses Jahr wird es wieder hell in der Nächten vom 11. bis zum 16. April 2010. Über 150 Installationen, Projektionen und Events werden zu sehen sein; Designer, Architekten und Künstler von Sydney bis London präsentieren ihr Licht-Schaffen in Frankfurt und Umgebung. Museen, Galerien, Industriearchitektur, Baustellen, Monumente, Fassaden, Plätze und Parks werden für die Zeit der Weltleitmesse "light & building" das Rheinmaingebiet in ein internationales Lichtlabor verwandeln.

Fachhochschule Mainz mit mehreren Projekten vertreten

Der Mainzer Hauptbahnhof wird mit den Installationen der beiden Medien-Designstudierenden Carsten Altman und Robert Meyer zum Tor nach Frankfurt. (Anmerk. der Redaktion: Wir werden nach der Luminale mit den beiden Designern über ihre Installationen sprechen und das Interview hier veröffentlichen, da es sich dabei um ihre Diplomarbeit handelt - ein bemerkenswertes Arbeitsfeld für Mediendesigner.)

Bildmotiv: Luminale-Projekt Lichtung.
Quelle: Projektbüro Luminale. Westermann Kommunikation.

In der Bahnlinie S8 werden Claudia Kress und Anna Schoderer die Sicht auf den gewohnten Weg nach Frankfurt verändern. Dort angekommen verwandeln die Studierenden Andreas Conrad, Danile Mauthe, Jan Ramrodt, Daniela Kulcsar, Pascal Schneider, Kersten Stahl, Erik Pfeiffer und Julian von Hopffgarten unter der Leitung von Prof. Tjark Ihmels (Medien-Design, Zeitbasierte Medien) den Frankfurter Hauptbahnhof in eine „Lichtung“. http://lichtung.fh-mainz.de

Bildmotiv Luminlae 2010 Projekt Lichtung.
Quelle: Projektbüro Luminale.
Westermann Kommunikation.

Das vielfältige Angebot in Frankfurt bietet einen weiteren Beitrag der Fachhochschule Mainz: Prof. Schönecker (Kommunikatiosndesign) und Prof. Teltenkötter (Innenarchtitektur) untersuchen mit einer Gruppe Innenarchitektur- und Kommunikationsdesignstudenten die Intelligenz des Schwarms. „hive“ ist hinter der Alten Oper zu sehen. http://luminale.fh-mainz.de

Bildmotiv Luminale 2010. Projekt Schwarm.
Quelle: Projektbüro Luminale. Westermann Kommunikation.

Was steckt hinter der Luminale?

Die Luminale wurde zunächst als Begleitveranstaltung zur Fachmesse Light+Building entwickelt; und zwar vom Geschäftsführer der Messe Frankfurt, Michael Peters, und dem Geschäftsführer von Westermann Kommunikation aus Ingelheim, Helmut Bien.

Den Betriebswirt Peters und den Philosophen Bien eint die Liebe zur Kunst und zum Design. So entstand die Initialidee, zur Lichtmesse die Lichtarchitektur in Frankfurt zu verankern. Selbstverständlich hat eine Messe wirtschaftliche Interessen. Neben denen sollten aber auch die kulturellen und wissenschaftlichen Energien gebündelt werden: Es sollte ein öffentlich zugängliches Lichtlabor entstehen, das sich an Fachpublikum und Öffentlichkeit wendet. Für diese Idee nennen Bien und Peters viele Paten.

Fête de lumières

Auf der Hand liegt das Vorbild Lyon mit seiner „Fête des lumières“, dem Fest der Lichter. Dessen Entstehung  erzählt sich folgendermaßen:
Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Südfrankreich von der Pest heimgesucht. Schutz versprach sich die Stadt Lyon von der Jungfrau Maria. Bischöfe, Marktvögte und Ständevertreter pilgerten am 8. September zu einer Kapelle um Kerzen und Goldtaler zu opfern. Dort sollte dann Mitte des 19. Jahrhunderts eine Marienstatue errichtet werden. Die Einweihung musste wegen Überflutung verschoben werden. Just an diesem Tag aber wütete ein Unwetter über der Stadt und das Feuerwerk musste abgesagt werden. Am Abend aber beruhigte sich der Himmel und die dankbaren Lyoner entzündeten Kerzen in ihren Fenstern.
Seither veranstalten die Stadt Lyon um den 8. Dezember herum ein Lichterfest. Die Idee de Lichtfestivals in Europa wurde ganz klar hier geboren. Die Luminale braucht allerdings nicht Traditionen zu bedienen und kann ihre Konzepte vollkommen frei von Dankbarkeit und Opfergaben ausschließlich modernen Gedanken widmen.

2002 gründete sich in Lyon das Netzwerk Lighting Urban Community International (LUCI). Hier arbeiten Städte, wie Lyon, Leipzig oder Moskau und Lichtprofis wie Philips an Strategien zur Gestaltung von urbanen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen durch Licht. LUCI unterstützt die Messe Light+Building. Sicher verbindet die beiden auch noch mehr als das selbe Geburtsdatum von LUCI und Luminale.

Lange Nacht der Museen

Viel jünger ist das Konzept der langen Nacht der Museen. 1997 fand diese Veranstaltung in Berlin zunächst mit wenigen Museen und Galerien statt. Doch das öffentliche Interesse war groß, die Menge der teilnehmenden Aussteller wuchs und die Idee wurde in unzählige Städte exportiert. Und obwohl die Lichtkunst ja an sich nicht auf Innenräume der Museen angewiesen ist, finden sich zur Luminale viele „herkömmliche“ Kunstaussteller, die ihre Räumlichkeiten mit Licht statt Gegenständen füllen.

Der Flaneur

In seinem fragmentarisch gebliebenen „Passagen-Werk“ beschreibt Walter Benjamin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den „Flaneur“. Der Begriff stammt von Charles Baudelaire, dessen Werke Benjamin ins deutsche Übersetzte.

Der Flaneur streift durch die Straßen der Großstädte. Hier beobachtet er und lässt sich auch beobachten. Er lässt sich durch die Menge treiben und hält nicht inne. Die Wahrnehmung der Stadt bietet ihm Stoff zur Reflexion. An dieser Stelle setzt die Luminale an, als temporäre Veränderung der Stadt.

Weitere Informationen

Die Hintergründe des Lichtfestivals Luminale sind spannend und vielfältig. Auch ohne sich mit ihnen zu beschäftigen, kann man die Installationen der internationalen Lichtkünstler genießen. Doch wem das bloße Schauen zu langweilig ist, kann vor dem Hintergrund dieser philosophischen Gedanken erstaunliche Entdeckungen in sich selbst wahrnehmen, ganz Flaneur eben!


Bildmotiv Luminale 2010. Projekt Kehres & Hungerer
Quelle: Projektbüro Luminale. Westermann Kommunikation.


Ab 11. April sind fünf Nächte hell erleuchtet. Das gesamte Programm mit allen beteiligten Projekten als Download und alle weitere Informationen finden Sie hier:
www.luminapolis.com
www.luminale.de

Kontakt zum Veranstalter:
Westermann Kommunikation
Projektbüro Luminale
Helmut M. Bien
luminale(at)westermann-kommunikation.de

Dieser Artikel wurde am 30.03.10 von Sarah Pittroff geschrieben.



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